Geschichtsereignisse: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Heimatverein Salzenforst
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Als wir wieder zu Hause waren, konnten wir keine großen Schäden erkennen. In unserer Hofeinfahrt stand ein kaputtes Halbraupenfahrzeug und bei Schulzes- oder Witschas Scheune, ich weiß es nicht mehr genau, war durch ein Panzer eine Gebäudeecke stark beschädigt. Die beschädigten Kriegsgeräte und die freiliegende Munition wurden noch von der Wehrmacht weggeräumt. Die Rusen rückten dann ins Dorf ein und Nachbars Polan Friedel wurde zwischen uns zwei Jungs im Bett versteckt, denn Kinder wurden in Ruhe gelassen. In unserem Haus war für kurze Zeit auch ein russischer Offizier einquartiert, so daß wir relative Ruhe hatten. dann wurden Leute aus dem Dorf verpflichtet, Vieh aus den Ställen der bauern in Richtung Osten zu treiben. Wir behielten aber unser Vieh. Später kamen die Russen mit ihren Panjewagen ins Dorf gefahren und tauschten Gegenstände (auch Spielzeug) gegen Lebensmittel.
Als wir wieder zu Hause waren, konnten wir keine großen Schäden erkennen. In unserer Hofeinfahrt stand ein kaputtes Halbraupenfahrzeug und bei Schulzes- oder Witschas Scheune, ich weiß es nicht mehr genau, war durch ein Panzer eine Gebäudeecke stark beschädigt. Die beschädigten Kriegsgeräte und die freiliegende Munition wurden noch von der Wehrmacht weggeräumt. Die Rusen rückten dann ins Dorf ein und Nachbars Polan Friedel wurde zwischen uns zwei Jungs im Bett versteckt, denn Kinder wurden in Ruhe gelassen. In unserem Haus war für kurze Zeit auch ein russischer Offizier einquartiert, so daß wir relative Ruhe hatten. dann wurden Leute aus dem Dorf verpflichtet, Vieh aus den Ställen der bauern in Richtung Osten zu treiben. Wir behielten aber unser Vieh. Später kamen die Russen mit ihren Panjewagen ins Dorf gefahren und tauschten Gegenstände (auch Spielzeug) gegen Lebensmittel.


Unser Vater kam im Herbst 1945 aus der Gefangenschaft abgemagert zurück. Da er nur ein Auge besaß und auf der anderen seite ein Glasauge trug und dieses wegwarf, wurde er als Invalide aus der gefangenschaft entlassen."
Unser Vater kam im Herbst 1945 aus der Gefangenschaft abgemagert zurück. Da er nur ein Auge besaß und auf der anderen seite ein Glasauge trug und dieses wegwarf, wurde er als Invalide aus der Gefangenschaft entlassen."


'''Martin Schulze Haus Nr. 29:'''
'''Martin Schulze Haus Nr. 29:'''


Mit 14 Jahren erlebte er die Kämpfe in und um Salzenforst hautnah mit. Gemeinsam mit Älteren vom Volkssturm sollte er als Hitlerjunge Panzersperren errichten. Die Deutschen griffen Salzenforst von Bolbritz und Uhna aus an. Die Scheune seines elterlichen Gehöftes wurde durch Panzerbeschuß stark beschädigt.  
Mit 14 Jahren erlebte er die Kämpfe in und um Salzenforst hautnah mit. Gemeinsam mit Älteren vom Volkssturm sollte er als Hitlerjunge Panzersperren errichten. Die Deutschen griffen Salzenforst von Bolbritz und Uhna aus an. Die Scheune seines elterlichen Gehöftes wurde durch Panzerbeschuß stark beschädigt.  
'''Martha Worm Haus Nr.24:'''
Meine alleinstehende Großmutter begab sich mit ihren 2 Töchtern auf die Flucht Richtung Sächsische Schweiz nach Rathmannsdorf zu Verwandten. Wie so viele konnten sie nur das Notwendigste mitnehmen. Nach ihrer Rückkehr waren Haus und Hof geplündert. Das versteckte Hab und Gut wurde von den russische Soldaten, welche einquartiert waren, gefunden und konfisziert. Mein Vater Ferdinand Worm floh aus englischer Gefangenschaft und kam über Umwege 1946 nach Hause. 


=== Zu Tode gekommene Einwohner ===
=== Zu Tode gekommene Einwohner ===

Version vom 29. März 2025, 16:22 Uhr

Napoleon 1813

Napoleon in Salzenforst

Abb.: Postkarte mit dem Bildnis Napoleons

Vor und während der Schlacht bei Bautzen, welche am 21.Mai 1813 stattfand, hatte Napoleon seinen Beobachtungsposten in Salzenforst bei Kettan im Haus Nr. 1 eingerichtet; sein Hauptquartier dagegen in Kleinförstchen bezogen.

Am 19./20.05.1813 führte der Hausbesitzer Juri (Georg) Kettan den Kaiser der Franzosen,  Napoleon Bonaparte, und seine Offiziere auf den Chorberg und erklärte die umliegenden Ortschaften (Chr. S. 14). Bereits am 15.05.1813 beschossen die Franzosen vom Chorberg mit Kanonen die Preußen bei Lubachau (Chr. S.16).

Es wird berichtet, daß Kettan, Juri stotterte und im Beisein der Franzosen nur auf der Ofenbank sitzen durfte. Ein gewisser Löschau aus Salzenforst hat die Franzosen im Mai 1813 durch die Spree geführt und ist nicht wieder heimgekehrt. (s. Chr. S. 15)

L. Oberhofer berichtet in "Geschichte der Stadt Bautzen" von 1963, daß es eine Napoleonsstube in Salzenforst gab; vermutlich in Haus Nr.1. Am 19.05.1813 ritt der Kaiser auf den Windmühlenberg bei Loga und die Wiwalze, um Beobachtungen anzustellen. Auf einer Felsenkuppe bei Stiebitz entwarf er seinen Angriffsplan.

Geschichtlicher Hintergrund aus dem Buch von Ralf Schramm: „Der 19.Mai 1813 und seine Ursachen“:

Das XI. Korps der französischen Armee unter Marschall Macdonald marschierte am 15.05.1813 bis auf die Höhen von Klein-u. Oberförstchen, von wo aus er die verbündeten Armeen der Preußen und Russen sehen konnte, die vereint östlich der Spree hinter Bautzen stehen. Am Abend besetzte das Korps die Anhöhen von Gaußig bis Kleinwelka (S.42). Am 17.05. gegen 6Uhr abends unternahm Macdonald mit einem Teil des XI. Korps eine Erkennung, was eine Kanonade von beiden Seiten veranlaßte (S.46). Gegen Mittag des 18.05. verließ Napoleon Dresden und traf mit dem größten Teil der Garde in Hartha ein (S.54).  Am 19.05. stand das XI. Korps unter Marschall Macdonald vor Bautzen, das VI. Korps unter Marschall Marmont stand links von ihm, dem Dorf Nimschütz gegenüber. Den linken Flügel bildete das IV: Korps unter General Bertrand. Er schloß sich nördlich des IV. Korps an und lehnte an Kleinwelka. Die Garden und das I. Kavalleriekorps unter Latour-Maubourg stellten sich als Reserve zwischen Göda und Kleinförstchen zu beiden Seiten der Straße, die von Dresden nach Bautzen führt, auf. Am frühen Morgen des 19.05. verließ Napoleon Großharthau und nahm sein Hauptquartier in Kleinförstchen (S.57).

Napoleon bei Bautzen in der Nacht vom 20. zum 21. Mai 1813 (Paul Gavarni 1836)


Napoleon mit Gräfin Auguste Charlotte am Sonnentempel in Schmochtitz (Napoleonmuseum Georgewitz)

Napoleon in Temritz

1813: von den Russischen Truppen wurde das Koban'sche Gut in Temritz in Brand gesteckt und eingeäschert. In der Chronik S.189ff. wird die Requirierung des Lehmann'schen Gutes in Temritz beschrieben.

Napoleon in Schmochtitz

Napoleon hatte ein intimes Verhältnis mit der Gräfin Auguste Charlotte von Kielmannsegge, Rittergutsbesitzerin von Schmochtitz. Die Gräfin verbrachte die 4 Jahre von 1809 -1812 in Paris (Franz Triebs: "Franzosengrab" 1984).

Napoleon besuchte die Gräfin im Mai 1813 in Schmochtitz (Chr. S.308-309). Zeugnis davon ist ein Gemälde, welches beide im Sonnentempel von Schmochtitz darstellt. Napoleon ritt mit einem Offizier vom Hauptquartier in Kleinförstchen nach Schmochtitz. Als sich die Tür für den Kaiser öffnete, blieb der Offizier bei den Pferden.

Die Gräfinn verehrte Napoleon sehr. Während der Verbannung Napoleons auf der Insel Elba besuchte sie ihn. Sie sagte zu ihm: "Sie sind jetzt ein Privatmann. Ich werde Sie freikaufen". "Nein" erwiderte der Kaiser, "dafür reicht Ihr Vermögen nicht. Ich danke Ihnen." (E. Klausnitzer: Bautzener Kulturschau 3/1980)









II. Weltkrieg, Kampf um Bautzen 1945

Beginn der Offensive

Die Kämpfe in und um Bautzen begannen am 16. April 1945 mit dem Angriff der 1. ukrainischen Front und der 2. polnischen Armee über die Neiße bei Rothenburg in Richtung Dresden. Am 18. April begann der Angriff auf Bautzen. Im Norden von der 26. mech. Gardebrigade, im Osten von der 24. mech. Gardebrigade und im Süden von der 25. mech. Gardebrigade gemeinsam mit der 57. Panzerbrigade umringt, drangen am 19.04. sowjetische Truppen in Bautzen ein. Ebenfalls am 19. April erreichte die nördlich von Bautzen in Richtung Großdubrau-Radibor vorrückende 3. Panzerbrigade des 1. polnischen Panzerkorps die Gemeinden Bolbritz und Salzenforst. Sie hatte das Ziel, die Autobahn Richtung Dresden bei Döbschke zu unterbrechen. Am 23. April begann der Gegenangriff der Deutschen zur Befreiung des von den Russen eingeschlossenen Bautzen. Daran beteiligt waren ein Fallschirmpanzerkorps und die dazugezogene Fallschirmpanzerdivision 1 "Hermann Göring". In Bautzen standen dem Kampfkommandanten Oberst Hoepke etwa 3000 Mann zur Verfügung. Dazu gehörten etwa 200 Mann der SS-Division "Frundsberg", Volkssturmbataillone, Flakabteilungen, Landesschützen, eine Bewährungskompanie der 4. Panzerarmee und Reste des Grenadierregimentes 1244. Oberst Hoepke ließ am 20. April die Kronprinzenbrücke und in der Seidau die Spreebrücke sprengen.

Kampfhandlungen in und um Salzenforst vom 23.04-26.04.1945

In der stockdunklen, naßkalten und regnerischen Nacht vom 23. zum 24.04. wurde die 2. polnische Panzerbrigade von Malschwitz und Niedergurig nach Salzenforst verlegt. Am 24.04. führte diese Brigade einen Gegenangriff mit 2 Panzerbataillonen und 1 Infanteriebataillon aus.

Die polnischen Panzer hatten deutsche Einheiten von der Autobahn westlich von Bautzen vertrieben und den Humboldthain südöstlich von Stiebitz erreicht. Dabei hatte das II. Bataillon des Fallschirmpanzer-Grenadierregimentes I „HG“ an der Ziegelei Dreistern und bei Oberförstchen erhebliche Verluste erlitten. Grenadiere dieses II. Bataillons führten bis zur Dämmerung ein stundenlanges, heftiges Gefecht mit einer Einheit des 929. Schützenregimentes um das Umspannwerk Rattwitz, das sie mit hohen Verlusten einnahmen. Gepanzerte Kräfte wurden an diesem Tag aus Bautzen herausgezogen. Dazu gehörte die Panzeraufklärungseinheit 1 „HG“, die vor Bloaschütz konzentriert wurden.

Der Angriff wurde am 24.04. 12 Uhr abgebrochen und die 2. polnische Panzerbrigade musste auf Salzenforst und Bolbritz zurückgehen, als deutsche Truppen über Oberförstchen und Bloaschütz zur Umfassung ansetzten, um westlich Salzenforst durchzubrechen und somit die polnische Gruppierung bei Groß-u. Kleinwelka bedrohten.

Sie gruben sich am Rand der Ortschaften Salzenforst und Bolbritz mit der Front nach Süden ein. Der Druck der Deutschen nahm stündlich zu. Auf Grund des Treibstoffmangels war die 2. polnische Panzerbrigade unter dem Feuerschutz der Artillerie gezwungen, auf die Ortschaften Schmochtitz und Strohschütz zurückzugehen.

Die Schwäche der 2. poln. Armee erkennend, greift am 25.04. die FschPzDiv 1 „HG“ gegen 13 Uhr aus Richtung Nordwesten auf Teichnitz und Kleinwelka an. Gegen 14 Uhr wurde durch das II. Bataillon des FschGrR 2 „HG“ der Ort Temritz eingenommen. Am Nachmittag erfolgte ein Flankenmanöver der Panzeraufklärungseinheit 1 „HG“ über Bolbritz und Salzenforst. Die Front der polnischen Truppen wurde aufgerollt und Kleinwelka eingenommen. Am 25. Und 26.04. kommt es in und um Kleinwelka zu schweren Kämpfen mit dem 1. Poln. Panzerkorps. Die polnischen Truppen flohen nach Norden.

Salzenforst wurde am 25.04. von den deutschen Truppen besetzt. Wie Dr. J. Ziesche schreibt, erschossen Angehörige der Panzergrenadierdivision "Brandenburg" sowjetische und polnische Verwundete im Haus Nr.34, wo die Polen ein kleines Lazarett eingerichtet hatten. Die Angaben der Getöteten schwanken zwischen 9 und 14.

Am 26./27.04. wurde die 9. Poln. Infanteriedivision im Raum Panschwitz-Kuckau zerschlagen, woran auch Ukrainer der Panzerjagdbrigade „Freie Ukraine“ beteiligt waren. Am 27.04. wurde Bautzen bis zum Kriegsende von der Wehrmacht besetzt. Am 08.05., dem Tag der Kapitulation, nahm das 32. Infanterieregiment der 8. polnischen Infanteriedivision kampflos die Stadt Bautzen ein.

Quellen:

Berndt, Eberhard: „Spurensuche-Die Kämpfe um Weißenberg und Bautzen im April 1945“)

Berndt, Eberhard: „Bautzen im April 1945“

Urbanke, Axel: „Endkampf um das Reichsgebiet 1944-1945 Ostfront“

Dr. Johann Ziesche: "Die große Schlacht" Bautzener Kulturschau 5,6,7/1965

Erlebnisberichte von Salzenforster Einwohnern

H.-J. Schneider *02.01.1941 Salzenforst Nr.28:

"In der Nacht vom 13. zum 14. 02 1945 konnten wir von Salzenforst aus einen hellen schein in Richtung Dresden erkennen. Ich war gerade 4 Jahre alt. Es wurde gesagt, Dresden brennt. Man sprach davon, daß vorher Christbäume von Aufklärungsflugzeugen gesetzt wurden (sogenannte brennende Fackeln), um den Bomben die Ziele zu markieren.

Als dann die Kriegshandlungen näher rückten, wurden mit unseren Nachbarn sowie im gesamten Viertel, auch Ziegenviertel genannt, Maßnahmen ergriffen. Dazu zählten Witschas, Schulze, Schneider, Hänsch, Paulik, Polan, Dresler und Heine. Die Männer, außer Johann Polan, waren eingezogen oder bereits verstorben. Zu den ersten Kriegshanndlungen fuhren wir mit unseren Kuhgespannen in die Sandgrube in Richtung Uhna - Schmochtitz. Hier flogen mit heulendem geräusch die Granaten über uns. Als dieser ASngriff vorüber war, kehrten wir wieder in unsere gehöfte zurück. Die Kriegshandlungen rückten immer näher und uns wurde befohlen, Salzenforst zu verlassen. Wir flüchteten mit unseren Kuhgespannen +ber Sohland bis nach Schluckenau. Unsercwagen war bepackt mit Futter für die Kühe, 5 Gänse, ein Krug mit Sahne (aus der durch das Geschüttel Butter wurde) und ein paar Habseligkeiten für Mutter, Tante und uns 2 Jungs. Dort erlebten wir auch Fliegeralarm und suchten in Kellern Unterschutz. Kann mich aber an Bombenexplosionen nicht erinnern.

Als wir wieder zu Hause waren, konnten wir keine großen Schäden erkennen. In unserer Hofeinfahrt stand ein kaputtes Halbraupenfahrzeug und bei Schulzes- oder Witschas Scheune, ich weiß es nicht mehr genau, war durch ein Panzer eine Gebäudeecke stark beschädigt. Die beschädigten Kriegsgeräte und die freiliegende Munition wurden noch von der Wehrmacht weggeräumt. Die Rusen rückten dann ins Dorf ein und Nachbars Polan Friedel wurde zwischen uns zwei Jungs im Bett versteckt, denn Kinder wurden in Ruhe gelassen. In unserem Haus war für kurze Zeit auch ein russischer Offizier einquartiert, so daß wir relative Ruhe hatten. dann wurden Leute aus dem Dorf verpflichtet, Vieh aus den Ställen der bauern in Richtung Osten zu treiben. Wir behielten aber unser Vieh. Später kamen die Russen mit ihren Panjewagen ins Dorf gefahren und tauschten Gegenstände (auch Spielzeug) gegen Lebensmittel.

Unser Vater kam im Herbst 1945 aus der Gefangenschaft abgemagert zurück. Da er nur ein Auge besaß und auf der anderen seite ein Glasauge trug und dieses wegwarf, wurde er als Invalide aus der Gefangenschaft entlassen."

Martin Schulze Haus Nr. 29:

Mit 14 Jahren erlebte er die Kämpfe in und um Salzenforst hautnah mit. Gemeinsam mit Älteren vom Volkssturm sollte er als Hitlerjunge Panzersperren errichten. Die Deutschen griffen Salzenforst von Bolbritz und Uhna aus an. Die Scheune seines elterlichen Gehöftes wurde durch Panzerbeschuß stark beschädigt.

Martha Worm Haus Nr.24:

Meine alleinstehende Großmutter begab sich mit ihren 2 Töchtern auf die Flucht Richtung Sächsische Schweiz nach Rathmannsdorf zu Verwandten. Wie so viele konnten sie nur das Notwendigste mitnehmen. Nach ihrer Rückkehr waren Haus und Hof geplündert. Das versteckte Hab und Gut wurde von den russische Soldaten, welche einquartiert waren, gefunden und konfisziert. Mein Vater Ferdinand Worm floh aus englischer Gefangenschaft und kam über Umwege 1946 nach Hause.

Zu Tode gekommene Einwohner

Die Kämpfe in Salzenforst wurden mit der gleichen Härte geführt wie überall um Bautzen. Es wurden zahlreiche Gebäude im Ort durch Artillerie- und Panzerbeschuss zerstört. Lt. Ortschronik starben bei den Kämpfen 6 Einwohner.

Am 22.04.45 wurde Karl Pietschmann durch einen deutschen Wachposten auf dem Feld erschossen, weil er nicht stehen blieb. Man sagt, Karl war geistig verwirrt. Die Chronik berichtet, dass Herr Pietschmann die Kühe auf der Wiese umpflocken wollte.

Im Haus Nr.33 (ehemals Dreßler) war eine Anzahl zurückgebliebener Einwohner im Keller eingesperrt. Der pensionierte Schulmeister Wange hatte eine weiße Fahne oder Taschentuch gehisst und sich wieder in das Haus zurückbegeben. Die deutschen Soldaten vermuteten einen Hinterhalt der Polen und warfen eine oder mehrere Handgranaten in das Haus. Herr Wange war sofort tot und Frau Suschke und Frau Preusche starben an ihren schweren Verletzungen (Pietsch, Karl: „Ortschronik Salzenforst“).

·      Frau Margarethe Suschke

·      Frau Maria Auguste Preusche (1. Frau von Preusche, Hermann)

·      Herr Ernst Heinrich Richard Wange

Nach dem Krieg kam es zu einem tragischen Unfall.  Die 7-jährigen Kinder Wolfgang Mattitza und Günter Jentsch spielten am 23.05.1945 auf dem Feld von Domschke (jetzt Kreisverkehr) Hascher. Dabei fanden sie eine Stielhandgranate und da sie nicht wussten, um was es sich handelte, schmissen sie diese weg. Durch die Explosion wurden beide Kinder schwer verletzt. Nachdem man sie fand, wurden sie mit dem Fuhrwerk nach Bautzen gebracht. Wolfgang M. verlor das rechte Auge, Günter J. verstarb am nächsten Tag im St. Benno Krankenhaus in Bautzen.

Zu Tode gekommene ausländische Bürger

Bekanntmachung zur Hinrichtung von Feliks Maslanka

Während des Krieges waren im Ort ausländische Bürger zur Arbeit auf den Bauernhöfen gezwungen (sog. „Zwangsarbeiter“).

Der Tod des Zwangsarbeiters Feliks Maslanka aus Polen wurde am 13.02.42 durch die Gestapo Dresden angezeigt. Augenzeugen berichteten, dass während des Krieges ein Zwangsarbeiter erhängt wurde, weil dieser eine Liaison mit einer Deutschen gehabt haben soll. Das war Herr Maslanka. Die Hinrichtung fand ganz in der Nähe des Chorberges statt.

Frau Anna Hortaszko, ebenfalls Zwangsarbeiterin aus Polen, verstarb lt. Sterbeurkunde am 05.04.45 um 22 Uhr mit 23 Jahren an einem Herzschlag. Sie wurde im Waschhaus des Hauses Nr.17 tot aufgefunden.

Ein KZ - Häftling mit der Nr. 186443 ist am 10.02.1945 gegen 17 Uhr am Pfahl 48/5 des Bahndammes der Reichseisenbahn in Stiebitz tot aufgefunden worden. Es war Rene Louis Jean Gabriel Stouff; geboren am 03.03.1920 in Arbois/Frankreich. Am 30.4.1944 kam er mit dem Transport aus Paris am KL Auschwitz an. Nach dem Kalender der historischen Ereignisse im KL Auschwitz [Kalendarium wydarzeń w KL Auschwitz], S. 649 von D. Czech wurden die Häftlinge am 30.04.1944 aus Paris gebracht. Sie erhielten Nummern von 184 936 bis 186 590 (Archiv des Museums Gross-Rosen). Letzter Eintrag in der Datei: 14.8.1944 r. KL Birkenau, B II f, Block 11. Von Rene Stouff wissen wir, dass dieser am 7.5/9.5.1944, 31.7./1.8.1944 und 7./8.1944 sowie am 14.8.1944 vom Lagerarzt im KZ Auschwitz untersucht wurde. Er wurde am 18.01.45 von Auschwitz-Birkenau deportiert, danach für einige Tage im KL Groß-Rosen untergebracht. Auf dem weiteren Transport mit der Reichsbahn in Richtung Mauthausen von der SS am 03.02.1945 getötet. Sein lebloser Körper wurde in der Nähe von Bautzen aus dem Zug geworfen. (Such- und Bescheinigungsvorgang Nr. 208.355 /Arolsen Archiv)

Das Soldatengrab auf dem Friedhof Salzenforst

Wann das Grab mit dem Grabstein errichtet wurde, ist nicht mehr bekannt.

Schulz, Albert                      

*20.07.1920                                                                †25.04.1945

Feldwebel

Baumgarten, Johann

*06.11.1926 Saarlautern                                        †April 1945 in Oberuhna

Schütze der St.Kp.II G.E.R. mot. G.D. -1797-         am Garten von Holland Nr.2

Vater: August Baumgarten Saarlautern I; Saarstr. 8

Krepela, Friedrich aus Wien

*06.11.1921 Wien                                                      †25.04.1945 Oberuhna

Soldat                                                                        Hausgarten bei Seidler Nr.11

Truppe: Edelweiß

RAD Feldnachschublager FP-Nr.46927

Schmidt, Gerhard

*25.01.1922 Halbemond (Ostfriesland)                 †29.04.1945

Obergefreiter des 2.FschPzGrenReg.1HG          

Rebel, Bernhard

*14.01.1927 Schwerstedt (Ettersberg/Weimar oder bei Straußfurt/Sömmerda) †04.1945

Grenadier

Schwabe, Günther Manfred Hermann Ernst

*08.04.1926 Frankfurt/Main                                    †25.04.1945 in Temritz gefallen (Sterbe-Urk. Kleinwelka 7/46)

Grenadier; vermutlich II.Fsch.PZ.Gren.Reg.2

Abiturient/evangelisch/ledig

wohnhaft in Sondershausen, Göldnerstraße 4

(Quelle: Berndt, Eberhard)

Durchhalteparolen zu Kriegsende

Befehle von der Führung

Anfang März Generaloberst Guderian: "Der deutsche Ostkämpfer weiß, daß dies der letzte und entscheidende Kampf ist, der über den Fortbestand unseres Volkes und unserer Nation entscheidet ..."

10. März Dr. Goebbels: "..... schlagt die Bolschewisten, wo ihr sie trefft! ... Niemals wird die Kunde kommen, daß wir kapitulieren..."

11. März A. Hitler: "es gibt nur ein Gebot, mit verbissener Entschlossenheit allles zu tun, um den Gefahren zu trotzen, die Wende wieder herbeizuführen und zu dem Zweck dieWiderstandskraft unseres Volkes und die seiner Wehrmacht materiell und geistig zu stärken. Ebenso groß muß aber unser Fanatismus in der vernichtung derjenigen sein, die sich dem zu widersetzen suchen ..."

02. April Reichsminister und Privatsekretär M. Bormann: "... der Kampf gegen den ins Reich eingedrungenen Gegner ist überall mit aller Unnachgiebigkeit und Unerbittlichkeit zu führen ..."

13. April Reichsführer der SS Heinrich Himmler: "... jedes Dorf und jede Stadt werde mit allen Mitteln gehalten. Jededr für die Verteidigung eines Ortes verantwortliche deutsche Mann, der gegen diese selbstverständliche nationale Pflicht verstößt, verliert Ehre und Leben ..."

13. April Oberkommando der Wehrmacht Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel: "... Städte liegen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Sie müssen daher bis zum äußersten verteidigt und gehalten werden ... für die Befolgung des Befehls sind die in jeder Stadt ernannten Kampfkommandanten persönlich verantwortlich. Handeln sie dieser soldatischen Pflicht und ASufgabe zuwider, sowie alle zivilen Amtspersonen, die den Kampfkommandanten von der Pflicht abspenstig zu machen versuchen, oder gar bei der Erfüllung seiner Aufgaben behindern, werden zum Tode verurteilt ..."

Führerbefehl Adolf Hitlers vom 16. April 1945: "Wer euch Befehl zum Rückzug gibt, ohne das ihr ihn genau kennt, ist sofort festzunehmen und nötigenfalls augenblicklich umzulegen, ganz gleich, welchen Rang er besitzt."

Befehl von Generalfeldmarschall Ferdinand Schoerner an die Kommandeure: "Ich kenne keine Begriffe wie Absetzen, Zurückkämpfen, Einklappen." Schoerner wird als brutalster aller Feldmarschäle bezeichnet.

23. April Tagesbefehl Schoerner: "Wer seine Stellung verläßt, wird erschossen."

(Dr. Johann Ziesche: "Die große Schlacht" Bautzener Kulturschau 6/1965)

Propaganda in Sachsen bzw. Bautzen

5. März Gauleiter Sachsen Martin Mutschmann. "Der Glaube an den Sieg muß erhalten bleiben und darf niemals durch ein etwaiges Vorrücken des Gegners zerbrechen. jed Meter Boden, den der Feind gewinnt, muß er mit einem ungeheuren Blutzoll erkaufen ... Nur der Tapfere behält das Leben ..."

19. März Kreisleiter Karl Martin vor den Bautzener Handwerks-u. Handelsbetrieben: "... Der Führer hat dieses Jahr als das Jahr der Wende bezeichnet. Auf sein Wort können wir uns unbedingt verlassen ... Für uns gilt es durchzuhalten, den Kopf hoch zu halten bis zu dem uns gewissen Endsieg ..."

22. März Propagandaleiter Elsner (Großkundgebung in Bautzen): "... Mitten im Generalsturm unsrer Feinde müssen wir uns entscheiden, ob wir durchhalten wollen oder nicht, ob wir noch Vertrauen und Glauben an den Sieg haben ... Halten wir also aus und nehmen uns die deutschen Stützpunkte am Atlantik zum Vorbild! ...!

17. April Gauleiter Mutschmann: "... Widerstand und Kampf bis zum Letzten! Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen und bedroht unsere Heimat mit Hunger und Elend, mit Tod und Verderben. Wer in dieser Not des Volkes gegen die Anordnungen der Partei und des Staates handelt und der nationalen Ehre unseres Volkes Schande macht, wird aus der Volksgemeinschaft ausgelöscht. jede Feindbegünstigung, sei es die Annahme von Geschenken, das Heraushängen weißer Tücher aus den Fenstern oder irgendeine Form der Anbiederung an den Feind ist Landesverrat und wird mit den Tode bestraft ..."